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title: "Wirkung messen, ohne Zuwendung zu vermessen – zuwendung.org"
description: "Ein vorsichtiges Wirkungsmodell für zurückgegebene Zeit, Handlungserfolg, Autonomie und Zwecktreue."
canonical: "https://zuwendung.org/texte/wirkungsmodell/"
lang: de
date: 2026-08-07
author: Sebastian Rumberg
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# Wirkung messen, ohne Zuwendung zu vermessen

Ein Szenariomodell kann sichtbar machen, was weniger Verwaltungsarbeit ermöglichen könnte. Es ersetzt weder einen Pilotversuch noch die Frage, ob die gewonnene Zeit den Zielen der Organisation dient.

Wirkung Von Sebastian Rumberg 7. August 2026

## Die menschliche Arbeit bleibt außerhalb der Rechnung

Vera soll nicht das Training, die Begleitung oder die demokratische Auseinandersetzung beschleunigen. Das Wirkungsmodell betrachtet nur die vermeidbare organisatorische Last darum herum: doppelte Dateneingabe, Suche, Formatierung, Statusnachfragen und wiederkehrende Nachweise.

Die Kernfrage lautet: Wie viele Stunden gibt Vera einer Organisation zurück, und was geschieht mit dieser Zeit? Der zweite Teil ist wichtig. Eine gesparte Stunde kann erneut in eine gemeinnützige Aufgabe fließen. Sie kann auch als notwendige Entlastung bei der verantwortlichen Person bleiben. Das Modell weist nur den Anteil als zusätzliche Missionszeit aus, den Organisationen tatsächlich wieder für ihre Aufgaben einsetzen.

Texte, Seitenaufrufe und erledigte Systemschritte sind dafür keine ausreichenden Erfolgsmaße. Ein Ergebnis zählt, wenn die Aufgabe außerhalb des Modells richtig abgeschlossen wurde und die Organisation ihren selbst erklärten Zweck besser verfolgen kann.

## Ein belastbarer Ausgangspunkt, vorsichtige Ableitungen

Die Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamts weist für direktes Ehrenamt und freiwilliges Engagement im Durchschnitt sieben Minuten pro Tag für alle Personen ab zehn Jahren aus.Die Zeitverwendungserhebung 2022 erfasst Tätigkeiten per Tagebuch. Der Wert ist ein Durchschnitt über Engagierte und Nichtengagierte und darf nicht als tägliche Zeit jedes engagierten Menschen gelesen werden.  Das interne Modell verbindet diesen Wert mit der dort verwendeten Bezugsbevölkerung und leitet rund 3,12 Milliarden direkte Engagementstunden pro Jahr ab.

Für einen vereinsbezogenen Näherungswert setzt das Modell den veröffentlichten Anteil von 48,5 Prozent der Engagierten an, die ihr Engagement in Vereinen ausüben.Der Anteil der Menschen, die sich in Vereinen engagieren, wird als Stundenanteil verwendet. Das ist ein transparenter Proxy, keine direkt gemessene Verteilung aller Engagementstunden nach Organisationsform.  Daraus entstehen rund 1,51 Milliarden vereinsbezogene Stunden. Diese Größe dient nur als Vergleichsbasis für Szenarien.

Unterschiedliche Erhebungen nennen leicht unterschiedliche Zahlen für Engagierte, weil Altersgrenzen, Definitionen und Jahre abweichen. Das Modell dokumentiert deshalb Quelle und Bezugsjahr, statt Zahlen aus verschiedenen Erhebungen still zu vermischen.

## Ein Szenario selbst durchrechnen

Die Rechnung kombiniert drei Annahmen. Sie ist kein Wirkungsnachweis und keine Prognose.Der bisherige Basiswert von sechs gesparten Stunden je Organisation und Monat ist eine Hypothese. Erst gemessene Aufgabenzeiten aus einem Pilot können ihn ersetzen.

**Zurückgegebene Zeit pro Jahr**

720.000 Stunden

**Zusätzliche Missionszeit pro Jahr**

504.000 Stunden

**Ersatzkostenäquivalent bei 36,99 Euro je Stunde**

18,64 Mio. Euro

`Organisationen × Stunden pro Monat × 12 × Reallokationsanteil = zusätzliche Missionsstunden`

## Ein Geldwert ist nur ein Ersatzkostenäquivalent

Freiwillige Arbeit hat keinen Marktpreis. Das Modell fragt enger: Welche Kosten entstünden ungefähr, wenn dieselbe Arbeitszeit bezahlt organisiert werden müsste? Solche Satellitenkonten folgen etablierten Empfehlungen zur Messung freiwilliger Arbeit.ILO und Vereinte Nationen beschreiben Verfahren, um unbezahlte Arbeit ergänzend zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sichtbar zu machen. Die Ergebnisse gehören nicht zum amtlichen Bruttoinlandsprodukt und dürfen ihm nicht hinzuaddiert werden.

Der Rechner verwendet 36,99 Euro je Stunde als mittleren Bewertungsansatz aus dem internen Modell. Er bewertet damit einen Umfang an Zeit, nicht den menschlichen oder gesellschaftlichen Wert des Engagements. Niedrigere und höhere Ansätze führen zu anderen Ergebnissen.

Viele mögliche Wirkungen bleiben bewusst außerhalb der Geldrechnung: weniger Fehler, bessere Zugänglichkeit, geringere Überlastung, zusätzliche Förderung oder gestärkter gesellschaftlicher Zusammenhalt. Dafür fehlen bislang kausale und überschneidungsfreie Messungen.

## Ein Pilot muss die Annahmen ersetzen

Der geplante erste Wirkungsnachweis beginnt klein: 30 bis 60 Organisationen, höchstens drei Kernaufgaben und eine Vorhermessung. Denkbare Aufgaben sind eine richtige Veranstaltungsänderung, das Auffinden eines belegten Dokuments und eine Förderorientierung mit Originalquelle.

Gemessen werden Zeit je erfolgreicher Aufgabe, Erfolgsquote, Korrekturen, Supportbedarf und Vorfälle. Eine gestaffelte Einführung soll Unterschiede nach Organisationsgröße, Engagementfeld und digitaler Reife sichtbar machen. Danach ersetzen Verteilungen und Unsicherheitsintervalle die bisherigen Punktannahmen.

Jede Kernaufgabe bekommt außerdem eine Zweck- und Proxy-Karte. Sie hält fest, welchem Ziel der Organisation die Aufgabe dient, welche Kennzahl wir nutzen, welches Fehlziel sie erzeugen kann und wer eine Abweichung beurteilt. So bleibt sichtbar, ob Vera nur einen Prozess beschleunigt oder der Organisation wirklich hilft.

## Methodische Grenzen und Quellen

Das Modell ist wissenschaftlich begründet, aber noch kein Vera-Wirkungsnachweis. Die Ausgangsdaten stammen aus amtlichen Erhebungen. Zeitgewinn und Reallokationsanteil sind Szenarioannahmen. Reichweite, Nutzung, Aufgabenmix und dauerhafte Wirkung sind nicht belegt.

Studien zu generativer KI in Kundenservice, Beratung, Schreiben und Verwaltung zeigen, dass Zeitgewinne bei geeigneten Aufgaben möglich sind. Sie liefern keine Vera-spezifische Effektgröße. Bei Aufgaben außerhalb der Leistungsgrenze kann KI Ergebnisse verschlechtern.Externe Produktivitätsstudien dienen nur der Plausibilisierung. Vera-Aufgaben brauchen eigene Tests mit Quellen, Rechten, menschlichen Freigaben und einem prüfbaren Ergebnis.

- [Destatis: Ergebnisse der Zeitverwendungserhebung 2022](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Zeitverwendung/Ergebnisse/_inhalt.html)

- [Destatis: Zeitverwendung für Ehrenamt und Freiwilligenarbeit](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Zeitverwendung/Tabellen/aktivitaeten-ehrenamt-geschlecht-zve.html)

- [Bundesregierung: Organisationsformen des Engagements](https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/startseite-staatsministerin-fuer-sport-und-ehrenamt/kampagne-ehrenamt-in-deutschland)

- [ILO: Manual on the Measurement of Volunteer Work](https://www.ilo.org/publications/manual-measurement-volunteer-work)

- [UN Statistics: Satellite Account on Nonprofit Institutions and Volunteer Work](https://unstats.un.org/unsd/nationalaccount/gcItemSA_NP_Vol.asp)

- [Noy und Zhang: Experimental Evidence on the Productivity Effects of Generative Artificial Intelligence](https://doi.org/10.1126/science.adh2586)

- [Brynjolfsson, Li und Raymond: Generative AI at Work](https://www.nber.org/papers/w31161)

- [Dell’Acqua et al.: Navigating the Jagged Technological Frontier](https://pubsonline.informs.org/doi/10.1287/orsc.2025.21838)
